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Klimafitte Lerchenfelder Straße – Planen im Dialog

Die Lerchenfelder Straße soll klimafit werden. Die Stadt Wien und die beiden Bezirke Neubau und Josefstadt entschieden sich für eine partizipative Planung. Die STADTpsychologie ist für die Projektsteuerung zuständig und setzt gemeinsam mit der Gebietsbetreuung Stadterneuerung und dem Büro Lebendige Lerchenfelder Straße dieses spannende Projekt um. 

„Das Besondere am Projekt Klimafitte Lerchenfelder Straße ist, dass Beteiligung und Planung von Anfang an zusammen gedacht werden und diese Verschränkung bis zum Bauende aufrecht bleibt.“

Die Lerchenfelder Straße verbindet die Zweierlinie mit dem Gürtel und den 7. mit dem 8. Bezirk. Viele Geschäfte, Lokale, Traditions- und Handwerksbetriebe säumen die Straße und sorgen für einen lebendigen Mix. Jetzt soll die Lerchenfelder Straße „klimafit“ werden: Mehr Bäume, Schatten und Begrünung sollen der sommerlichen Überhitzung entgegenwirken. Wichtig ist jedoch, dass von Anfang die Nutzer:innen eingebunden werden, denn es geht auch darum, den besonderen Charakter der Lerchenfelder Straße zu erhalten. 

Die richtige Methode zur richtigen Zeit – was macht einen qualitativ hochwertigen Planungsprozess aus?

Für ein Ergebnis, mit dem möglichst viele Beteiligte zufrieden sind, ist Zeit ein wichtiger Faktor: es braucht Zeit, damit die Information zu den Menschen gelangt, es braucht Zeit die Anliegen abzuholen und es braucht Zeit, entsprechende Gestaltungsvorschläge zu diskutieren. Auf der anderen Seite braucht auch die Verwaltung Zeit, um alle Abläufe so zu gestalten, damit sie rechtskonform bleiben. Letztlich braucht es Zeit, damit sich alle Beteiligten gut an die geplanten und realisierten Veränderungen gewöhnen. Deswegen sind für das Projekt Klimafitte Lerchenfelder Straße mehrere Jahre eingeplant. 

Das qualitative Straßeninterview als zentrale Einstiegsmethode

Planen im Dialog soll kein Experiment sein, sondern es braucht ein fundiertes Wissen, wie mit komplexen Prozessen umzugehen ist. Im Projekt Klimafitte Lerchenfelder Straße starten wir mit qualitativen Leitfaden-Interviews. Mit diesen wollen wir möglichst alle unterschiedlichen Nutzerinnen und Nutzer der Lerchenfelder Straße erreichen. Sowohl bei der Erstellung des Leitfadens als auch bei der Auswertung der Daten wird auf wissenschaftliche Methoden, wie beispielsweise die Grounded Theory (Glaser und Strauss, 1996) oder die „Aktivierende Stadtdiagnose“ (Ehmayer, 2014, 2016) zurückgegriffen. Die Ergebnisse werden transparent und für alle nachvollziehbar aufbereitet.

Zum Projektverlauf – was bisher geschah

Im Vorfeld wurde erstmals ein umfassendes Prozess-Design erarbeitet und mit den zuständigen Fachdienststellen der Stadt Wien abgestimmt. In diesem finden sich projektrelevante Rahmenbedingungen ebenso wie die partizipative Vorgehensweise für die kommenden Jahre. Im Februar 2022 startete das Projekt offiziell mit einem Medientermin, bei dem sowohl die zuständigen Stadträtinnen als auch die beiden Bezirksvorsteher anwesend waren. Das Projektteam – bestehend aus der Gebietsbetreuung Stadterneuerung, dem Büro Lebendige Lerchenfelder Straße und der STADTpsychologie – konnte seine Arbeit aufnehmen. Im April 2022 begann die Sozialräumliche Erhebung (SRE) mit einer planerischen Analyse des Umfelds sowie Beobachtungen „wer nutzt den öffentlichen Raum und wofür?“.

Mehr als 400 Straßeninterviews lassen hohes Interesse erkennen

Seit Mai 2022 werden qualitative Straßeninterviews geführt, ergänzt werden diese durch einen Online-Fragebogen. Die bisher mehr als 400 Teilnehmer:innen zeigen: Der Bedarf nach Mitsprache ist hoch, das Interesse an der Neugestaltung ebenfalls. Auf der Lerchenfelder Straße gibt es also einiges zu tun und auch zu entdecken. Geplant sind, neben vielen attraktiven Aktionen wie z.B. Flohmarkt, Ausstellungen, botanische Spaziergänge, auch sogenannte moderierte „Dialogforen“. 

„Bei der Lerchenfelder Straße fragen wir zuerst die Menschen was kommen soll und was nicht. Erst danach beginnen die Planungen. Das ist das ideale Prozedere.“

Cornelia Ehmayer-Rosinak

Präsentation der Ergebnisse bei den Dialogforen im Herbst 2022

Im September werden die Ergebnisse bei den Dialogforen, je eines in der Josefstadt und Neubau, vorgestellt und mit den Anwesenden diskutiert. Die Ergebnisse sowohl aus der Erhebung, aber auch aus den Diskussionen werden in den Bericht einfließen. Der Bericht wird an die Planungsabteilungen weitergeleitet. Die Entwürfe, die aus den Ergebnissen plus der fachlich-planerischen Expertise resultieren werden ebenfalls in einem Dialogforum, voraussichtlich 2023 vorgestellt und diskutiert werden.

Info-Ausstellung im Oktober 2022

Für alle jene, die zu den Dialogforen nicht kommen konnten, gibt es im Oktober ein spezielles Service: das Team der Lebendigen Lerchenfelder Straße steht für Auskunft zum Projekt in dieser Zeit zur Verfügung. Mit diesem Angebot sollen sich möglichst viele interessierte Menschen über den Projektfortgang informieren aber auch Rückmeldung geben können.

Ausblick auf 2023 – 2024

In diesem Jahr wird es Planentwürfe geben, die wiederum bei Dialogforen präsentiert und diskutiert werden können. Die ergänzende Info-Ausstellung gibt wiederum die Möglichkeit sich vertiefend zu informieren oder bei Gesprächen mit Projektverantwortlichen aktuelle Informationen abzuholen. Die Planung sollte in diesem Jahr soweit fertig gestellt sein, dass die zuständigen Dienststellen dann mit den Ausschreibungen für die Bauphase beginnen können.

„Mit dieser gewählten Vorgehensweise soll die Lerchenfelder Straße noch mehr eine Straße für die Menschen werden, die sie nutzen, egal ob privat, beruflich oder auf der Durchreise.

Cornelia Ehmayer-Rosinak

©Lebendige Lerchenfelder Straße
©Gebietsbetreuung Stadterneuerung
©STADTpsychologie

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