Winter und Wetter in der Stadt

Auch wenn die Adventszeit schon hinter uns liegt und die Weihnachtsbeleuchtung weitgehend abgebaut ist, ist Wien von nächtlicher Dunkelheit oft weit entfernt: Lichter und Lampen erhöhen zwar das subjektive Sicherheitsgefühl, können empfindlichen Personen aber durchaus die Nachtruhe rauben, da ihr Biorhythmus durch die Lichtverschmutzung mitunter ganz schön durcheinander gerät.

Lichtintensität und Wetter sind dabei aufs engste mit dem persönlichen Wohlbefinden verbunden, denn Wetter ist – auch in der Stadt – nicht trivial. Dabei emanzipiert uns die Stadt auch ein Stück weit vom natürlichen Klima. Im Gegensatz zum Land bietet die bebaute Stadt zumeist besseren Schutz vor Wetterphänomenen, seien das nun Sturm und Gewitter, Hitze oder Kälte. Allerdings gibt es durchaus Wetterlagen, die in der Stadt einen Ausnahmezustand herbeiführen: Wenn es etwa in Wien intensiv zu schneiden beginnt, dann scheint es, als würden die Stadtbewohnerinnen und Bewohner eine noch nie dagewesene Überraschung erleben. Plötzlich wird es viel ruhiger in der Stadt und alles beginnt sich zu verlangsamen. Im Zuge der globalen Erderwärmung werden die Schneetage zwar weniger, nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deshalb bleibt der Schnee in der Stadt etwas Besonderes.

Kündigt sich ein Wetterumschwung an, erleben heute zunehmend mehr Menschen körperliche und psychische Beeinträchtigungen. Wetterfühlige Personen leiden bei einer Tiefdruckwetterlage verstärkt an Müdigkeitserscheinungen, Konzentrationsstörungen und Fehlleistungen. Jahreszeiten und das Wetter haben also nicht nur großen Einfluss auf die Gestaltung unseres Alltags, sondern auch auf unsere Stimmung. Paradoxerweise löst eine Wetteränderung in der Stadt stärkere Wetterfühligkeit aus als am Land. Erklärt wird dies damit, dass wir nur noch selten Klimaveränderungen direkt ausgesetzt sind, weil wir den größten Teil unseres Alltag in geschützten Räumen verbringen. Als Folge davon kann sich unser Organismus auf Wetter- und Klimaveränderungen schlechter einstellen und es kommt dann zu einer Art Überreaktion. Zu Fuß gehen oder Rad fahren sind daher auch im Winter einfache und gute Möglichkeiten, dem Körper etwas Gutes zu tun.

Die bebaute Stadt bietet aber nicht nur Schutz vor Wetterphänomenen, sondern erzeugt oder verstärkt ihrerseits oft selbst welche: Eine große zukünftige Herausforderung wird der Klimawandel mit dem damit verbundenen Temperaturanstieg sein. Dieser betrifft besonders Städte, einerseits, weil bereits heute der Großteil der Menschheit im urbanen Raum lebt, andererseits weil sich im dicht verbauten Gebiet die Hitze stärker ausbreitet und es deutlich langsamer abkühlt. Eine Stadtgestaltung, die auf diese Herausforderung entsprechend reagiert, ist dann besonders wichtig. So beschäftigte sich etwa das Projekt der Wiener Umweltschutzabteilung „Nachhaltiger Urbaner Platz“ mit der Frage, wie die Auswirkungen von klimatischen und demographischen Veränderungen bei den von der Bevölkerung gerne genutzten Plätzen im Stadtteil berücksichtigt werden können. Ein nachhaltiger urbaner Platz muss zukünftig deutlich mehr für Hitze und Starkregen gerüstet sein, aber auch mehr Grün oder Bäume aufweisen, um den Menschen Schutz zu bieten.

Stadt kann trotz ausgetüftelter Architektur und technologischen Innovationen also noch nicht ohne Wetter gedacht werden und das ist auch gut so: schließlich tragen die verschiedenen Jahreszeiten auch dazu bei, dass Städte immer neu erfahrbar werden und sich die Nutzungsmöglichkeiten stets verändern.

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